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„Ein domestizierter Wirbelwind aus Stimmen, Bildern, Geschichten einer anderen Zeit kreist im Zentrum eines dunklen, ruhigen Raumes. Der audiovisuelle Kern dieses entschleunigten Zyklons ist eine Bildklangrotunde, die Elemente aus Wissenschaft, Gesellschaft, Politik in tönende Lichtbilder verwirbelt. Ein Strudel aus neuen Sinnzusammenhängen entsteht.“ So beschreibt der Künstler und Filmemacher Boris Hars-Tschachotin die Grundidee der interaktiven Installation MAKROSKOP, die er gemeinsam mit dem Medienkünstler Hannes Nehls entwickelt und realisiert hat.
Im abgedunkelten Kaisersaal des Museums für Fotografie entfaltet sich die raumgreifende Installation MAKROSKOP in Form einer Spirale und erinnert damit an Modelle aus der Naturwissenschaft. Der Installationskörper setzt sich aus einzelnen Bildflächen zusammen und ist mit transparenten Bändern aufgespannt. So entsteht eine frei im Raum schwebende transluzente Plastik, die als dynamisches Band zugleich einen eigenständigen, betretbaren Raum bildet. Ihre narrative Aufladung erhält die Installation durch die auf den Installationskörper projizierten Bild-Ton-Sequenzen, die unablässig in Richtung des Spiralzentrums fließen. Der visuelle Nukleus dieser Sequenzen generiert sich aus dem Fotonachlass Sergej Tschachotins und reicht vom privaten Familienidyll unmittelbar vor dem verheerenden Erdbeben von Messina über Einblicke in wissenschaftliche Arbeitsmethoden seiner Zeit bis hin zur Dokumentation der politischen Kämpfe. Ein individueller und assoziativer Zugang zu diesem Material wird dem Besucher durch ein eigens für das MAKROSKOP entwickeltes Sensorensystem ermöglicht, durch das die Bild- und Tonebene der Installation den Bewegungen des Betrachters folgend verändert werden kann. So wird dem buchstäblich bewegten Besucher im Installationskörper beständig eine neue Sinnstiftung, also neben der räumlichen auch die inhaltliche Neurorientierung abverlangt.
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