Sergej Stepanowitsch Tschachotin (1883-1973) - geboren in Konstantinopel, gestorben in Moskau - lebte in vielen Ländern Europas. Fünfmal heiratete Tschachotin und wurde Vater von acht Söhnen. Er war ein hochbegabter, international anerkannter Naturwissenschaftler, Freund Einsteins und Pawlows, Pionier der experimentellen Zellforschung und somit einer der Wegbereiter heutiger Laser- und Gentechnik. Das Zusammendenken unterschiedlichster Forschungsgebiete war für ihn ein Grundprinzip seiner Arbeit: Tschachotin verknüpfte biologische mit psychologischen und soziologischen Fragestellungen. Die Verbindung von Wissenschaft und Politik war für ihn unausweichlich mit der Frage persönlicher Verantwortung verbunden. Als Kämpfer und schließlich Bekämpfter der russischen Revolution, als Demokrat und Sozialist, als Antifaschist und Chefideologe der gegen die Nationalsozialisten gerichteten Widerstandsbewegung „Eiserne Front“, als Propagandist und Visionär einer internationalen Gemeinschaft, als Pazifist und Anti-Atomkraft-Aktivist trieben ihn die politischen Systeme seiner Zeit immer wieder zu Flucht und Neuanfang, in den Untergrund und ins Internierungslager. Die Spuren, die diese fast in Vergessenheit geratene Biografie hinterlassen hat, vermögen in Form des MAKROSKOP ein visuelles Psychogramm des 20. Jahrhunderts nachzuzeichnen.